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Angstpatienten mit Empathie begegnen und Vertrauen aufbauen

Der Koblenzer Zahnarzt Dr. Torsten Renneberg kennt die Ursachen einer Phobie. Der Experte weiß, wie Angstpatienten geholfen werden kann.

Kaum eine andere Fachrichtung hat so viel mit Angstpatienten zu tun wie Zahnärzte. Die Hürde, einen Termin in der Praxis zu vereinbaren, scheint unüberwindbar. Im Kopf beginnt sich ein Gedankenkarussell zu drehen und Bilder von Bohrern, Spritzen und Schmerzen erscheinen, die zu einem flauen Gefühl im Magen und feuchten Händen führen. So geht es vielen Menschen. Mehr als jeder zweite Deutsche hat Angst vorm Zahnarzt. Bei einer anerkannten Dentalphobie, wie die wissenschaftliche Diagnose lautet, haben Patienten große Angst vor mehreren Situationen, die in der Zahnarztpraxis auftreten könnten. Dazu gehört die Betäubungsspritze, die Angst, dem Zahnarzt unter Vollnarkose ausgeliefert zu sein, die Furcht vor Schmerzen, vor Atemnot und vielem mehr. Extrem negativ wirken sich zusätzlich die Geräusche der Handinstrumente aus. Das Brummen des Bohrers oder die Absaugvorrichtung wirken für Angstpatienten nochmal lauter und bedrohlicher. „Angstpatienten stehen unter enormen Stress. Die zeigt sich an Symptomen wie starkem Schwitzen oder nassen Händen. Der Puls geht deutlich schneller und vielen Betroffenen ist regelrecht schlecht vor Angst“, weiß Dr. Torsten Renneberg.

Auslöser sind oftmals dramatische Kindheitserfahrungen

Die etwas älteren Patienten werden sich noch gut an ihre Zahnarztbesuche aus Kindertagen erinnern. Leider litten viele Kinder unter kariesgeschädigten Zähnen. Laut Studie behandelten Zahnärzte in den 80er-Jahren in Deutschland bei zwölfjährigen Kindern durchschnittlich sieben Kariesbefunde. Bei vielen Angstpatienten liegt hier die Wurzel allen Übels. Denn früher gab es keine Behandlungen in Vollnarkose. Auch eine lokale Betäubung war in den 80er-Jahren noch nicht selbstverständlich, was zu äußerst schmerzhaften Erinnerungen führt. Diese schmerzhaften Behandlungen sind vielen Angstpatienten heute noch in starker Erinnerung geblieben „Für Angstpatienten sind Zahnarztbesuche regelrecht traumatische Erlebnisse. Sie haben zudem nicht nur den Eingriff sehr schmerzhaft in Erinnerung, sondern das gesamte Umfeld. Dazu zählen die sterilen, kalten Praxisräume, Zahnärzte und Mitarbeiterinnen, die wenig Einfühlungsvermögen besaßen und die lauten Geräusche des Zahnbohrers“, erklärt der Experte.

Sanfte Eingriffe dank moderner Therapien

Im 21. Jahrhundert hat sich die Zahnmedizin zum Glück zum Wohle aller großen und kleinen Patienten enorm gewandelt. Es gibt neue Technologien und verschiedene Möglichkeiten der Sedierung, die einen Eingriff sehr sanft und sicher machen. „Ganz wichtig ist, dass in der Zahnarztpraxis auf eine angenehme Atmosphäre geachtet wird und das gesamte Praxisteam sehr einfühlsam und verständnisvoll mit Angstpatienten umgeht. Wir spielen entspannende Musik und nehmen uns viel Zeit für ein aufklärendes Gespräch. Vertrauen bildet die Basis für eine erfolgreiche Behandlung“, so Dr. Renneberg. Der Eingriff erfolgt dann in der Regel unter einer örtlichen Betäubung. Der Koblenzer Zahnarzt setzt meist eine Midazolam-Sedierung ein. Midazolam ist ein sogenanntes Benzodiazepin und sehr gut verträglich. Benzodiazepine wirken angstlösend, beruhigend und muskelentspannend. „Sehr gute Erfolge können Patienten durch Entspannungstechniken wie Yoga oder autogenem Training erzielen. Oftmals fällt es ihnen dann leichter, sich ihren Ängsten zu stellen. Ebenfalls hilfreich kann eine vertraute Person sein, die Angstpatienten beim Besuch in die Praxis begleitet. Somit sind sie nicht alleine im Behandlungszimmer, sondern jemand ist dabei, der beruhigend wirkt“, rät der Zahnarzt.

Positive Erfahrungen bauen Ängste ab

An die regelmäßigen Kontrolltermine sollten sich auch Angstpatienten gewöhnen und mindestens einmal im Jahr in die Zahnarztpraxis kommen. Dieser Termin ist sehr sinnvoll, denn nur so können mögliche Probleme schnell erkannt und erkrankte Zähne frühzeitig behandelt werden. „Wird ein Zahnarztbesuch immer wieder aufgeschoben, kann dies am Ende zu einer aufwendigen Behandlung führen, die hätte vermieden werden können. Außerdem ist es für Angstpatienten sehr hilfreich, wenn sie positive, gewohnheitsmäßige Erfahrungen sammeln. Bei einem Kontrolltermin findet in der Regel kein Eingriff statt. Wir schauen uns in Ruhe die Situation an und entfernen eventuell Zahnstein. Es tut nichts weh. Die kontinuierlichen Termine helfen, die Angst dauerhaft zu überwinden“, weiß Dr. Renneberg.

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